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EXILE FAMILY MOVIE
Großer Diagonaler Preis, Bester österreichischer Dokumentarfilm 2006

Im Epilog von Exile Family Movie sagt ein kleines Mädchen ein persisches Gedicht auf, in dem die fünf Finger der Hand mit den Mitgliedern einer Familie verglichen werden. Unabhängig voneinander habe jeder seine Aufgabe zu erfüllen, doch gemeinsam lassen sie sich zur Faust ballen, und sind dadurch stark und (schlag)kräftig. Dass es um die Familie geht ist von Anfang an klar, ebenso wessen Familie dies ist und wer erzählt: Setzt sich doch Regisseur Arash zu Beginn – in einer Spiegelung des Epilogs – buchstäblich selbst ins Bild, neben seine Geschwister, um daraufhin die Rolle des Erzählers einzunehmen, der in das Geschehen einführt und Ereignisse kommentiert, wenn ihre Chronologie sich nicht durch die aufgenommenen Bilder mitteilt.

Geheimes Wiedersehen in Mekka

Die Geschichte klingt ein bisschen wie der Beginn eines Politthrillers: Mehrere Personen aus dem Iran, die im Exil in Europa und Amerika leben müssen, organisieren unter höchsten Gefahren ein geheimes Treffen in Mekka. Doch bei den Personen handelt es sich nicht um Geheimagenten - vielmehr hat der in Österreich lebende Regisseur Arash die spannende Geschichte seiner Familie in Bilder gekleidet.

Leben in Wien, Fragen nach den Wurzeln

Arash kam im Alter von neun Jahren nach Österreich. "Damals war Exil für mich nur ein Wort", sagt der Regisseur in einem Kommentar zu seinem Film. Heute lebt er mit Vater, Mutter und Geschwistern in Wien, doch die Frage nach dem Rest der Familie wurde mit der Zeit immer präsenter. Wie geht es den engsten Verwandten im Iran, wie jenen in Amerika nach der damals erzwungenen Trennung? Bis schließlich die Idee aufkam, sich in Saudi-Arabien - als Pilger getarnt - für mehrere Tage zu treffen.

Berührendes und persönliches Familienporträt

Die Erfahrungen mit den strengen und frauenfeindlichen Sitten in Saudi-Arabien, die Konfrontation der Kulturen zwischen Europa, USA und Mittlerer Osten in einem kleinen Hotelzimmer in Mekka, die überbordenden Emotionen beim ersten Treffen der Familienmitglieder - dies alles fängt Arash mit seiner Kamera berührend und fröhlich, persönlich und dennoch öffentlichkeitswirksam ein. Er schuf nicht nur einen wunderbaren Familienfilm, sondern gibt auch einen Einblick in die politischen Abläufe und gesellschaftlichen Bedingungen eines Lebens im Exil.

Gegen Verbote und aus nächster Nähe

Arash trotzte diversen Widrigkeiten (Filmverbot in Saudi-Arabien, Gewissenskonflikte beim Schnitt des Films, etc.) und lässt das Publikum aus nächster Nähe, mit oftmals wackliger Kamera mitten im Geschehen, an der Odyssee richtiggehend teilnehmen. Trotz der eigentlichen Privatheit der Doku, offenbaren Themen wie Flucht, Asyl und Identität oder Streit um Sprache, Religion und Politik durchaus Allgemeingültigkeit. Arash ist das seltene Beispiel eines vielschichtigen Dokumentarfilms gelungen: ein humorvoller, unterhaltsamer und persönlicher Beitrag zum österreichischen Film.
"Exile Family Movie" wurde bei der Diagonale mit dem Großen Preis für den besten Dokumentarfilm 2006 ausgezeichnet und startet am 29. September in den heimischen Kinos.

http://www.exilefamilymovie.at

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