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Im
Epilog von Exile Family Movie sagt ein kleines Mädchen ein persisches
Gedicht auf, in dem die fünf Finger der Hand mit den Mitgliedern einer
Familie verglichen werden. Unabhängig voneinander habe jeder seine
Aufgabe zu erfüllen, doch gemeinsam lassen sie sich zur Faust ballen, und
sind dadurch stark und (schlag)kräftig. Dass es um die Familie geht ist
von Anfang an klar, ebenso wessen Familie dies ist und wer erzählt: Setzt
sich doch Regisseur Arash zu Beginn – in einer Spiegelung des Epilogs
– buchstäblich selbst ins Bild, neben seine Geschwister, um daraufhin
die Rolle des Erzählers einzunehmen, der in das Geschehen einführt und
Ereignisse kommentiert, wenn ihre Chronologie sich nicht durch die
aufgenommenen Bilder mitteilt.
Geheimes Wiedersehen in Mekka
Die Geschichte klingt ein bisschen wie der
Beginn eines Politthrillers: Mehrere Personen aus dem Iran, die im Exil in
Europa und Amerika leben müssen, organisieren unter höchsten Gefahren
ein geheimes Treffen in Mekka. Doch bei den Personen handelt es sich nicht
um Geheimagenten - vielmehr hat der in Österreich lebende Regisseur Arash
die spannende Geschichte seiner Familie in Bilder gekleidet.

Leben in Wien, Fragen nach den Wurzeln
Arash kam im Alter von neun Jahren nach Österreich.
"Damals war Exil für mich nur ein Wort", sagt der Regisseur in
einem Kommentar zu seinem Film. Heute lebt er mit Vater, Mutter und
Geschwistern in Wien, doch die Frage nach dem Rest der Familie wurde mit
der Zeit immer präsenter. Wie geht es den engsten Verwandten im Iran, wie
jenen in Amerika nach der damals erzwungenen Trennung? Bis schließlich
die Idee aufkam, sich in Saudi-Arabien - als Pilger getarnt - für mehrere
Tage zu treffen.
Berührendes und persönliches
Familienporträt
Die Erfahrungen mit den strengen und
frauenfeindlichen Sitten in Saudi-Arabien, die Konfrontation der Kulturen
zwischen Europa, USA und Mittlerer Osten in einem kleinen Hotelzimmer in
Mekka, die überbordenden Emotionen beim ersten Treffen der
Familienmitglieder - dies alles fängt Arash mit seiner Kamera berührend
und fröhlich, persönlich und dennoch öffentlichkeitswirksam ein. Er
schuf nicht nur einen wunderbaren Familienfilm, sondern gibt auch einen
Einblick in die politischen Abläufe und gesellschaftlichen Bedingungen
eines Lebens im Exil.
Gegen Verbote und aus nächster Nähe
Arash trotzte diversen Widrigkeiten
(Filmverbot in Saudi-Arabien, Gewissenskonflikte beim Schnitt des Films,
etc.) und lässt das Publikum aus nächster Nähe, mit oftmals wackliger
Kamera mitten im Geschehen, an der Odyssee richtiggehend teilnehmen. Trotz
der eigentlichen Privatheit der Doku, offenbaren Themen wie Flucht, Asyl
und Identität oder Streit um Sprache, Religion und Politik durchaus
Allgemeingültigkeit. Arash ist das seltene Beispiel eines vielschichtigen
Dokumentarfilms gelungen: ein humorvoller, unterhaltsamer und persönlicher
Beitrag zum österreichischen Film.
"Exile Family Movie" wurde bei der Diagonale mit dem Großen
Preis für den besten Dokumentarfilm 2006 ausgezeichnet und startet am 29.
September in den heimischen Kinos.
http://www.exilefamilymovie.at
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