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Vortragsreihe "Kulturwissenschaftlichen Iranforschung" im Sommersemester
Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Das Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften möchte Sie auf vier Vorträge aufmerksam machen, die im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftlichen Iranforschung" im Sommersemester 06 gehalten werden

Donnerstag, 01. Juni 2006

Schouhar-e posti (Ehemann „per Post“) – Heiratsvermittlung und Heiratsmodalitäten unter Iranern in Hamburg

Vortrag von Frau Dr. Karin Hesse-Lehmann im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung"

Zeit: 01.06.2006, 18:15

Ort: Clubsaal der Österreichischen Orient-Gesellschaft/ÖOG

In diesem Vortrag werden auf der Grundlage volkskundlicher Forschungen (DFG-Projekt „Institutionen und volksreligiöse Praxis“) Formen der Ehevermittlung, Eheschließung und des Zusammenlebens - Stichwörter: Ehevermittlung „per Post“ und per Internet, Zeitehe („sighe“), deutsch-iranische Eheschließungen etc. - dargestellt und in Hinblick auf ihre soziale und kulturelle Bedeutung analysiert. Überdies soll versucht werden, diese aktuellen Gegebenheiten mit traditionellen religiös-kulturellen Formvorgaben in Iran und in anderen muslimischen Migrantengruppen in Deutschland zu vergleichen (Stichwort: Zwangsheirat).

Karin Hesse-Lehmann (Jahrgang 1950). Nach elfjährigem Aufenthalt in Iran nahm sie 1981 ein Studium der Germanistik und Soziologie an der Universität Hannover auf (M.A). Danach Volkskundestudium in Hamburg. Promotion 1992 mit einer Arbeit zum Thema: Iraner in Hamburg. Verhaltensmuster im Kulturkontakt (publiziert Berlin/Hamburg 1993). Mitarbeit in verschiedenen DFG-Projekten zur Migrationsforschung am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg (zuletzt: Institutionen und volksreligiöse Praxis von Iranerinnen und Iranern in Hamburg). Beratende Tätigkeit für Institutionen der praktischen Migrationsarbeit.
Publikationen zur Imam-Ali Moschee in Hamburg, zu interkulturellen Kontakten und religiösen Bräuchen von iranischen Frauen in Deutschland.

Donnerstag, 08. Juni 2006

Wien – iranisch: Vom Umgang mit Vorurteilen/Stereotypen am Beispiel der IranerInnen in Wien

Vortrag von Frau Mag. Julia Czarnowski im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung"

Zeit: 08.06.2006, 18:15

Ort: Clubsaal der Österreichischen Orient-Gesellschaft/ÖOG

Frau Czarnowski wird zunächst eine kurze Einführung zu Ihren Forschungen zu dem Thema „IranerInnen in Wien“ bieten. Danach wird sie sich auf folgende Punkte konzentrieren: Was Vorurteile/Stereotype bewirken – Welche (kulturellen) Stereotype gibt es in Wien über IranerInnen? – Wie entstehen solche Stereotype? – Welche sozialen Phänomene können dadurch beeinflusst werden? – Wie gehen Einzelne konkret mit solchen Phänomenen um?

Frau Mag. Julia Czarnowski ist in Hamburg geboren und aufgewachsen, lebt seit 1997 in Wien. An der Universität Wien hat sie erfolgreich Sozial- und Kulturanthropologie (mit dem Schwerpunkt „Kognitive Anthropologie“) studiert. Seit 2005 arbeitet sie an ihrer Dissertation zu dem Thema „Dynamiken und Aushandlung kultureller Identitäten am Beispiel der IranerInnen in Wien“

 

Donnerstag, 22. Juni 2006

Zwischen Andacht und Party, zwischen Annpassung und Widerstand – Religiöse Feiern von Frauen in Teheran

Vortrag von Frau Sabine Kalinock, MA im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung"

Zeit: 22.06.2006, 18:15

Ort: Clubsaal der Österreichischen Orient-Gesellschaft/ÖOG

Auf den ersten Blick erscheint der rituelle Jahreszyklus der Schiiten von Trauerzeremonien in Gedenken an das tragische Schicksal der Imame und ihrer Angehörigen dominiert. Betrachtet man jedoch die Fülle der religiösen Veranstaltungen, die von Frauen organisiert werden, entsteht ein vielschichtigeres Bild. Im Zentrum des Vortrags stehen die an den Geburtstagen der Mitglieder der Prophetenfamilie stattfindenden mouludis und das Umkehrritual ’Omar koshun. Musik, Tanz und die Rezitation von Gedichten sowie pantomimische Darstellungen sind fester Bestandteil vieler dieser Veranstaltungen, die von der schiitischen Geistlichkeit kritisch betrachtet werden. Aber auch in Iran gerade aktuelle politische und religiöse Diskurse werden von den Frauen aufgegriffen. Basierend auf Feldforschung untersucht der Vortrag wie die Teilnehmerinnen dominante Vorstellungen über das Geschlechterverhältnis und die propagierten moralischen und gesellschaftlichen Ideale interpretieren, in Frage stellen oder auch bestärken.

Seit Jahren beschäftigt sich die Frankfurter Ethnologin Sabine Kalinock (Studium der Historischen Ethnologie, Soziologie und Orientalischen Philologie in Frankfurt am Main – Magisterarbeit über das persische Neujahrsfest Nouruz. Dissertationsvorhaben: „Religiöses Leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Rituale schiitischer Frauen im heutigen Iran“) mit Aspekten der Frömmigkeit bzw. des religiösen Lebens von Frauen in Teheran. Es ist ihr seit 1996 in regelmäßigen mehrmonatigen Feldforschungsaufenthalten gelungen, zu vielen verschiedenen, zum Teil sehr privaten Zirkeln von Frauen aller Gesellschaftsschichten zu finden und eine Vielzahl von religiösen Ritualen unterschiedlichster Natur zu erleben und zu analysieren. Dabei hat sie sich immer erfolgreich darum bemüht, mit ihren Untersuchungspartnerinnen ein offenes und vertrautes Verhältnis herzustellen. Vom Juli 2002 bis zum Oktober 2004 arbeitete sie in einem Forschungsprojekt der Volkswagenstiftung zu Südiran am Fachbereich Historische Ethnologie der Universität Frankfurt mit. Zur Zeit ist sie als Übersetzerin aus dem Persischen tätig.

 

Dienstag, 27. Juni 2006

100 Jahre Verfassungsrevolution in Iran – der Beginn einer demokratischen Tradition?

Vortrag von Herrn Prof. Dr. Christoph Werner im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung"

 

Ort: Klubsaal Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall

Dominikanerbastei 6/6, 1010 Wien

Vor hundert Jahren, im August des Jahres 1906, unterzeichnete Mozaffaroddin Shah die erste Verfassung Irans. Dieses Ereignis markiert den ersten Höhepunkt der Verfassungsrevolution (1905-1911), in der eine breite Allianz verschiedenster Gruppen der iranischen Gesellschaft sich für mehr Gerechtigkeit und ein Beschränkung der absoluten Monarchie einsetzte. Das erste Parlament stand vor schwierigen Aufgaben und fand erst langsam in seine Rolle hinein. Die Abgeordneten waren gezwungen, zwischen den konservativen Eliten des Hofes, zunehmend radikalen Räten und den in der Presse formulierten hohen Erwartungen zu manövrieren. Schmerzhaft mussten sie erfahren, dass Demokratie ein langsamer Lernprozess ist und die politischen Gestaltungsmöglichkeiten angesichts leerer Kassen und andauernden ausländischen Einflusses begrenzt waren. Die erste Phase der Verfassungsrevolution war jedoch ein einzigartiges Experimentierfeld der Demokratie. Die damals gewonnenen Erfahrungen prägten die weitere politische Entwicklung Irans entscheidend und können auch noch nach hundert Jahren als ein positives Beispiel demokratischer Kultur in einer von islamischer Tradition geprägten Gesellschaft dienen.


Univ.-Prof. Dr. Christoph Werner ist Juniorprofessor für Islamwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Er studierte in Freiburg, Bamberg und Teheran und promovierte 1999 zur Stadtgeschichte von Tabriz im 19. Jahrhundert. Sein besonderes Interesse gilt der Geschichte der iranischen Welt in der frühen Neuzeit und der Zeitgeschichte Irans.

 

Eintritt: EURO 3,00 (EURO 2,50)

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