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Von Frau Dr. Aryane Ekssir, 18. März 2005 Zur
Geschichte Die
Begriffe "indogermanisch" bzw. indo-europäisch tauchen in
der Fachliteratur häufig auf. Viele Interessierte haben aber nur
verschwommene Vorstellungen von der genauen Bedeutung Begriffe. Hier
werden nicht nur die historischen Hintergründe der Indoeuropäer
selbst, sondern auch die
Geschichte ihrer Entdeckung geschildert. Im
Jahre 1786 hielt Sir William Jones, renommierter Orientalist, vor
der Royal Asiatic Society in Kalkutta einen folgenreichen Vortrag.
Jones hatte sich als einer der ersten Europäer intensiv mit dem
Sanskrit, der alten heiligen Sprache Indiens, beschäftigt und dabei
die erstaunliche Entdeckung gemacht, dass das Altindische in
Wortschatz und Grammatik größte Ähnlichkeit mit dem Lateinischen
und Altgriechischen aufweist. Er erkannte ferner, dass diese
Parallelen auch in den keltischen und germanischen Sprachen, sowie
im Persischen nachweisbar sind. Jones zog daraus den naheliegenden
Schluss, dass all diese Sprachen verwandt sein mussten. Dass einige
europäische Sprachen große Gemeinsamkeiten aufweisen, war natürlich
schon früher aufgefallen. Jeder erkennt auf Anhieb die Ähnlichkeiten zwischen dem Italienischen, Spanischen und Französischen, und von jeher bestand kein Zweifel daran, dass diese Sprachen das Lateinische als gemeinsame Mutter haben mussten. Bereits 1610 veröffentlichte der französische Gelehrte Joseph Scaliger einen Vergleich der europäischen Wörter für "Gott" und markierte dadurch einige der wesentlichen Sprachgruppen Europas, nämlich das Romanische (lateinisch "deus", italienisch und spanisch "dio", französisch "dieu"), das Germanische (englisch und niederländisch "god", skandinavisch "gud"), das Slawische ("bog") und das Griechische ("theos"). Weitere Sprachen zog er nicht in seine Betrachtungen mit ein. Er bestritt auch jede mögliche weitere Verwandtschaft der genannten Sprachen. Deutsch
drei
Mutter neu
Nacht
Nase Englisch
three
mother new
night
nose Griechisch
treis
mater neos
nux
rhis Lateinisch
tres
mater novus
nox
nasus Französisch
trois
mere
nouveau nuit
nez
Rumänisch
trei
mama nou
noapte
nas Litauisch
trys
motyna naujas
naktus
nosis Russisch
tri
matj nowui
notsch
nos Sanskrit
trayas
matar
nava nakt
nas
Man
stellte weitreichende Verwandtschaften zwischen folgenden
Sprachzweigen fest:
Indisch
(Sanskrit,
Hindi; Urdu, Assamisch, Bengali, Romani), Iranisch
(Persisch,
Pahlevi, Neupersisch; Ossetisch, Sarmatisch), Armenisch
(indoeurop. Einzelsprache), Tocharisch
(ausgestorbene indoeurop. Sprache in China), Hethitisch
(die älteste indoeuropäische Sprache, mit dem Hethiterreich etwa
um 1.200 v. C. untergegangen), Griechisch,
Albanisch
(indoeurop. Einzelsprache), Italisch
(Zweig
der indoeurop. Sprachen, die über weite Italiens verbreitet war;
Etruskisch; Latein; die romanischen Sprachen), Keltisch
(Irisch, Gälisch, Walisisch, Bretonisch Slawisch
(Russisch, Belorussisch, Ukrainisch; Serbisch, Kroatisch,
Slowenisch, Bulgarisch, Polnisch, Tschechisch, Sorbisch) Germanisch
Zwischen
dem 16. und 18. Jahrhundert entdeckten etliche Wissenschaftler unabhängig
voneinander weitere auffällige Ähnlichkeiten, aber alle beschränkten
sich lediglich auf eher zufällig erkannte, gemeinsame Aspekte der
europäischen Sprachen. Niemand ahnte bereits die ganze Tragweite
dieser Entdeckung. Parsons
schloss daraus auf eine gemeinsame Abstammung der Sprachen Europas,
Indiens und Persiens, deren Ausgangspunkt er in Armenien ansetzte,
weil Noahs Arche schließlich dort gestrandet war und seine Söhne
dort von Bord gegangen waren. Von dieser letzten Begründung einmal
abgesehen, hätte Parsons mit seiner Erkenntnis durchaus zum
Stammvater der modernen Sprachwissenschaft werden können, wenn im
weiteren Verlauf des Buches nicht seine Phantasie völlig mit ihm
durchgegangen wäre. Er zählte fälschlicherweise nicht nur das
Ungarische, sondern auch die Eingeborenensprachen Nordamerikas zu
dieser verwandten Sprachgruppe, versuchte außerdem, die
entscheidenden sprachwissenschaftlichen Beweise mit Hilfe von
Bibelzitaten zu führen. Viel weiter, als zu der beschriebenen
Erkenntnis gelangte allerdings auch er nicht. Das blieb dem Deutschen
Franz Bopp vorbehalten, der 1816 detaillierte grammatische Vergleiche
anstellte und diesen Erkenntnissen dadurch ein systematisches
Fundament verschaffte, das zur Grundlage der modernen vergleichenden
Sprachwissenschaft wurde. Die Ergebnisse waren eine wissenschaftliche
Sensation. Es stand nun nicht nur endgültig fest, dass alle europäischen
Sprachen (mit Ausnahme des Baskischen, Ungarischen, Finnisch/Estischen
und Maltesischen), wie auch die wichtigsten Sprachen Indiens und
Persiens (damit auch das Kurdische, Afghanische und Armenische) einer
einzigen, eng verwandten Sprachfamilie angehörten, sondern auch, dass
sie alle auf eine gemeinsame Urform zurückgehen mussten. Für diese
Sprachfamilie prägte man das Kunstwort "indogermanisch",
und zwar ihrer extremsten geographischen Ausbreitung wegen. Die lag östlicherseits
in Indien, westlicherseits in Island, wo heute noch eine altertümliche
germanische Sprachform gesprochen wird. Im deutschsprachigen Raum ist
der Begriff "indogermanisch" bis heute gebräuchlich, und
der entsprechende Zweig der Sprachwissenschaft heißt Indogermanistik.
Im internationalen Sprachgebrauch aber hat sich die Bezeichnung
"indoeuropäisch" eingebürgert, die auch wir im folgenden
verwenden werden, da sie etwas weniger missverständlich ist. Denn der
sprachwissenschaftliche Laie denkt bei dem Begriff
"Indogermanen" wahrscheinlich zunächst, dass es sich hier
um einen speziellen Stamm der Germanen handeln muss. Das aber ist, wie
wir sehen werden, grundfalsch. Wenn
sich all diese Sprachen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen
ließen, dann muss es auch ein Volk gegeben haben, das diese Sprache
gesprochen hat, eben die "Indoeuropäer", die damit -
zumindest sprachlich - die direkten Vorfahren der Inder, Europäer,
Perser usw. waren. Aber wann hatten sie gelebt, wo hatten sie
gesessen, und in welcher Form war ihre Ausbreitung vonstatten
gegangen? . Allerdings gelang es der Sprachwissenschaft, ein
erstaunlich anschauliches Bild von der Kultur der Indoeuropäer zu
gewinnen. Wie kann so etwas nur mit Hilfe von Sprachforschung
gelingen? Es ist einfacher, als man denkt. Man muss nur darauf kommen:
wenn man z.B. in allen Einzelsprachen dasselbe Wort für Achse
(lateinisch "axis", griechisch "axón", altindisch
"aksah"), außerdem Rad (lateinisch "rota",
litauisch "ratas", altindisch "rathas") und Nabe
(altindisch "nabhis", baltisch "nabis") entdeckt,
dazu das Wort für Joch (gotisch "jug", lateinisch
"iugum", persisch "jug", altindisch
"yugam") und Kuh (englisch "cow", altindisch
"gauh", armenisch "kov"), dann lässt sich daraus
problemlos ableiten, dass die Indoeuropäer bereits von Ochsen
gezogene Wagen kannten. Wenn man Namen für die Dinge hat, kennt man
auch die Dinge selbst. Nicht in allen Fällen ist die Ableitung so
einfach, wie in dem gezeigten Beispiel. Die Verfeinerung dieser
Methode machte im Lauf der Jahrzehnte aber solche Fortschritte, dass
es heute nicht nur Wörterbücher und Grammatiken dieser indoeuropäischen
Ursprache gibt, sondern es hat sich auch folgendes Kulturbild unserer
entfernten Vorfahren herausgeschält.
Verbreitung
der Indoeuropäer Als
Ergebnis all dieser Forschungen kristallisierte sich heraus, dass die
ursprüngliche Heimat der Indoeuropäer irgendwo in dem weiten Gebiet
zwischen der südöstlichen Ostsee und dem Schwarzen Meer gelegen
haben muss. Die Beweislage wird umso schwieriger, je kleiner man das
vermutete Ursprungsgebiet annimmt. Es spricht deshalb einiges dafür,
dass das Indoeuropäische sich nicht von einem kleinen Zentrum
ausgebreitet, sondern allmählich in einem größeren Gebiet
herausgebildet hat. Auch das östliche Mitteleuropa ist als
Herkunftsgebiet nicht völlig auszuschließen. Die Gewässer- und
Bergnamen dieser Gegenden sind nämlich ausschließlich indoeuropäischen
Ursprungs. Da solche Flurnamen (Toponyme) außerordentlich zäh
anhaften und erfahrungsgemäß auch von neuen Einwanderern immer übernommen
werden, spricht viel dafür, dass die ersten sesshaften (!) Bewohner
Ostmitteleuropas Indoeuropäer waren. Obwohl dieses Argument schwer
wiegt, sind sich die meisten Forscher aber dennoch in einer östlicheren
Zuordnung einig. Als Favorit gelten weiterhin die weiten osteuropäischen
Gebiete Südrusslands und der Ukraine, sowie die nördlichen Teile des
Kaukasus. Jene
indoeuropäischen Stämme, die gegen ca. 1500 v.Chr. im Norden Indiens
und Persien erschienen, nannten sich selbst "Aryas" (die
Edlen, Vornehmen, Gastfreien), um sich von der einheimischen Urbevölkerung
abzusetzen. Das Wort Iran (ursprünglich "Ayran") bedeutet
nichts anderes als "Land der Arier". Und es spricht viel dafür,
dass die keltische Bezeichnung "Eire" (früher:
"Erin") für Irland, sowie der Name der Armenier ebenso wie
das Wort Aristokratie (Herrschaft der Vornehmen) und der Name der
keltischen Göttin "Arianrhod" auf dieselbe Wurzel zurückgeht.
Sogar in einer frühen schwedischen Runeninschrift findet sich noch
der Begriff "ariostR" (Edler). Es handelt sich also um eine
Selbstbezeichnung eines Teiles der indoeuropäischen Völker, die
genauso von den anderen Völkern Persiens und Indiens auf die
Indoeuropäer angewandt wurde. Deshalb bezeichnet die
Sprachwissenschaft jene Sprachgruppe der Indoeuropäer, aus der sich
die indischen, kurdischen, afghanischen und iranischen Sprachen und
Dialekte entwickelt haben, als indo-arisch. Es
kann gar nicht genug betont werden, dass es sich hier um einen rein
sprachwissenschaftlichen Begriff handelt, der nichts, aber auch nicht
das Geringste, mit "Rasse", Volk oder Hautfarbe zu tun hat.
Indoeuropäer bzw. Arier bezeichnet lediglich ein Individuum, das mit
einer indoeuropäischen bzw. arischen Muttersprache aufgewachsen ist.
Im 19. Jahrhundert aber war es zu einer unheilvollen Verquickung der
Begriffe Sprache und Volk bzw. "Rasse" gekommen.
Heimatsprache sprechen). Sie übersahen auch, dass die Bezeichnung
"indoeuropäisch" bzw. "indogermanisch" genauso
auf Die Indo-Arier müssen ab ca. 1500 v.Chr. in Indien und dem
iranischen Hochland aufgetaucht sein. Das kann man mit großer
Sicherheit aus dem geographischen und kulturellen Hintergrund schließen,
den uns die älteste indo-arische Dichtung der Veden überliefert,
obwohl sie erst sehr viel später aufgezeichnet wurde. In relativ
kurzer Zeit besiedelten sie den ganzen Norden Indiens und drängten
die Völker der dravidischen Sprachen in den Süden ab. Diese
sprachliche Verteilung hat sich im Grunde bis heute erhalten. Obwohl
das Alt-Iranische, Awestisch genannt, uns ebenfalls erst aus späteren
Schriftquellen bekannt ist, ist es dem Altindischen so eng verwandt,
dass von einer gleichzeitigen Einwanderung der Indo-Arier in Indien
und den Iran ausgegangen werden muss. Auch das Iranische teilte sich
in Untergruppen, von denen das Kurdische und Afghanische heute die
wichtigsten Varianten sind. Das
Armenische gehört zwar geographisch ebenfalls dieser Region an, zählt
aber nicht zu den indo-arischen Sprachen, sondern weist seltsamerweise
etliche enge Parallelen mit dem Griechischen auf. Ob sich das stark
bedrängte Keltische wird halten können, das in Teilen der Britischen
Inseln und der Bretagne überlebt hat, und vor allem in Irland
staatlich sehr gefördert wird, kann nur die Zukunft zeigen. Die
Chancen stehen nicht gut. Exkurs
über die persische Sprache Persisch,
auch unter dem Namen Farsi bekannt, das am weitesten verbreitete
Mitglied des iranischen Zweiges der indoiranischen
Sprachen, einer Unterfamilie der indogermanischen
Sprachen. Persisch ist die Sprache des Iran (früher Persien), wird
aber auch von etwa fünf Millionen Sprechern in Afghanistan und in
einer älteren Form in Tadschikistan und im Pamirgebirge gesprochen.
Das moderne Persisch wird in arabischer Schrift geschrieben und
besitzt zahlreiche arabische Lehnwörter sowie eine umfangreiche
Literatur. In
der Entwicklung der iranischen Sprachen unterscheidet man drei
Perioden: die altiranische, die mitteliranische und die neuiranische.
Altiranisch ist im Avestischen und im Altpersischen vertreten.
Avestisch wurde wahrscheinlich im Nordosten des alten Perserreiches
gesprochen; es ist die Sprache des Avesta, der heiligen Schriften des
Zoroastrismus. Abgesehen von seiner Verwendung in diesen religiösen
Werken war Avestisch bereits Jahrhunderte vor dem Aufkommen des Islam
ausgestorben. Mitteliranisch
wird nicht nur durch das Mittelpersische und das verwandte Parthische
vertreten, sondern auch durch einige Sprachen Zentralasiens. Parthisch
war die Sprache des Arsakiden- oder Partherreiches (um 250 v. Chr.
bis 226 n. Chr.). Mittelpersisch besitzt eine einfachere
Grammatik als Altpersisch. Es wurde meist in einer Schrift
aufgezeichnet, die dem Aramäischen entliehen ist und Buchstaben
verwendet, von denen jeder mehr als nur einen Laut repräsentiert. Das
Neupersische hatte sich im 9. Jahrhundert vollständig
ausgebildet. Es stellt die Weiterentwicklung einer überregionalen
Standardsprache dar, die beträchtliche parthische und mittelpersische
Anteile sowie zusätzliche Einflüsse aus anderen iranischen Sprachen
aufweist. Neupersisch (Farsi) ist die Amts- und Kultursprache Irans
und wird in einer erweiterten arabischen Schrift geschrieben.
Verglichen mit dem Mittelpersischen besitzt das Neupersische eine
stark vereinfachte Grammatik.
http://www.thailand-info.de/th/lexikon/buddhist_3.htm#persische_sp http://www.plebs.ch/wissen/2004/09/300.html http://www.wolfgang.richardt.info/7-1.htm http://www.linguist.de/reese/Laender/familie/iranisch.html http://www.klett-verlag.de/klett-perthes/sixcms/klett-perthes/terra-extra/sixcms/detail.php?id=38907 http://www.eldaring.de/content/modules.php?name=News&file=article&sid=19 |
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