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?Wie
war deine erste Begegnung mit dem Theater
.Niavarani: Ich war ein sehr schlechter Schüler in der Unterstufe
Meine damalige Deutschprofessorin ist darauf gekommen, wenn sie mich die
Hauptrolle in einem Stück lesen lässt, im Deutschunterricht, bin ich
auch bereit, die Hausübung zu machen. Wir haben dann, ein Kollege und
ich, eine Bühnespielgruppe gegründet in der Schule, und das war der
erste Kontakt mit dem Theater. Wir haben damals sehr viel von Johann
Nestroy gespielt. Es waren meistens Komödien, eher unterhaltsame Stücke,
die wir gespielt haben
Soviel
wir wissen, spielst du nicht nur, sondern du schreibst auch. Erzählst du
uns ein bisschen über diese Tätigkeit
Niavarani: Ich bin kein Schriftsteller und auch kein Schreiber. Ich
schreibe aus der Not heraus. Ich schreib’ deshalb, weil es wenig Dinge
gibt, die so sind, dass ich sie spielen mag. Das war der erste Gedanke
Wie
definierst du dich - als Mensch oder mit deiner Nationalität
Niavarani: Nachdem ich zwei Nationalitäten habe, ist das ein
schwieriges Thema. Ich bin halber Österreicher, halber Perser. Ich sag in
Interviews immer, ich bin 100% Österreicher und 100% Perser. Meine
Schwester fragt mich dann: ”Wieso bist du Perser? Du bist hier
aufgewachsen, du bist hier sozialisiert, dein ganzes Weltbild ist ein
europäisches. Was ist eigentlich persisch an dir?”
Es gibt bei mir eine große Sehnsucht nach Persien, nach dem Iran, aber
eigentlich einem falschen Bild des Iran, weil ich Persien nur aus den Erzählungen
meiner Großmutter, Onkeln und Tanten kenne und die sind fast alle vor der
Revolution nach Europa oder nach Amerika gegangen. Deshalb würde ich mich
in erster Linie mal als Mensch bezeichnen, dann als Perser, dann als Österreicher
und ganz weit, bevor ich mich als Mensch bezeichne, bezeichne ich mich als
Schauspieler. (er lächelt)
Das Thema der neuen Ausgabe der ECHO-Zeitschrift ist
“Positionen jetzt”. Warum, glaubst du, sind so wenige Menschen der 2.
Generation an guten Positionen? Wie kann man dies ändern
Niavarani: Ich glaube, dass es weniger mit dem Ausländer-Inländer-Problem
zu tun hat, sondern ein Problem der sozialen Schicht ist, in der man aufwächst.
Und generell ist es so, dass Leute aus Arbeiterfamilien es teilweise
schwerer hatten in höhere Positionen zu kommen, als andere Leute. Denke
aber auf jeden Fall, dass sich das ändern wird, also auch die Möglichkeiten
für Menschen der 2. Generation, die hier aufgewachsen sind. Ich kenne
auch keine Statistiken dazu. Ich weiß eigentlich nicht, wie hoch der
Prozentanteil von Maturanten der 2. Generation ist. Ich hab’ da keinen
Überblick, wie das wirklich ist. Glaube aber, oder hoffe, dass die
Menschen der 2. Generation eigentlich dieselben Chancen haben, wie alle
anderen
?Siehst du dich als 2. Generation
Niavarani: Ja, definitiv. Von der österreichischen Seite bin ich
wahrscheinlich schon die 500ste Generation, müsste eigentlich sagen: von
tschechischer Seite, weil die Eltern des Großvaters, des alten Svoboda,
irgendwann aus der Tschechei, damals noch in der Tschechei, damals noch in
der Monarchie, hierher gekommen sind, aber ich sehe mich definitiv als 2.
Generation. Absolut
?Wie hat dir Arbeit mit den EchotInnen gefallen
Niavarani: Also, von Arbeit kann man ja nicht sprechen, die zwei
Male, die ich vorbeigeschaut habe, aber das hat mir sehr gut gefallen. Ich
fand vor allem den Abend sehr großartig. Was mich sehr beeindruckt hat,
ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung, wie schwer es ist ein
Publikum zu faszinieren und ein Publikum davon abzuhalten einzuschlafen, müde
zu werden und wie schwer es noch dazu ist, die Leute zum Jubeln zu
bringen. Der Abend hat ja von halb 9 bis 1 gedauert. Es sind, glaub ich,
fast 1000 Leute im Metropol gewesen. Es war unerträglich heiß, die Luft
war unerträglich schlecht. Die Leute mussten stehen. Teilweise, nicht
alle und sie waren mit Begeisterung da und hatten es geliebt, bis zum
Schluss. Es ist fast niemand gegangen. Das hat mich sehr beeindruckt und
das hab’ ich sehr toll gefunden. Ich glaube, wenn wir das im Simpl
gemacht hätten, dass sich die Leute unter diesen Bedingungen etwas
anschauen, sind die nach 1 1/2 Stunden alle weg. (wir lachen)
Die Zusammenarbeit hat mich sehr begeistert und mir sehr großen Spaß
gemacht.
Interview:
Timur Topal
Elif
Sözer
Nima Obaro
Kemal Erbulan
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